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Manuel Filsinger: Der König in Gelb

Was das berüchtigte Theaterstück Der König in Gelb beinhalten könnte, zeigt der deutsche Autor Manuel Filsinger – natürlich in zensierter Fassung, damit niemand den Verstand verliert.

Bedingt durch beruflichen Stress kam ich in letzter Zeit nur schwer dazu, cthuloide Kost zu verspeisen. Auf ein spezielles Leckerbissen habe ich mich aber schon die ganze Zeit gefreut und endlich kam ich in meinem dringend benötigten Urlaub dazu, es zu lesen: Der König in Gelb – Ein Stück in zwei Akten von Manuel Filsinger stellt die Übersetzung des berüchtigten Theaterstücks dar, das seine Leser in den Wahnsinn treibt.

Was ist der König in Gelb?

Der König in Gelb ist ein fiktives Theaterstück aus der Feder von Robert W. Chambers, das in seiner gleichnamigen Kurzgeschichtensammlung Der König in Gelb die Hauptrolle spielt. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es zwei Akte besitzt: Der erste Akt soll langweilig und trivial sein. Der zweite Akt hingegen soll jeden, der ihn liest, in den Wahnsinn treiben.

Nur einige wenige Bruchstücke des eigentlichen Inhalts werden in Chambers‘ Kurzgeschichten wiedergegeben. Die Leser in den Geschichten nennen immer wieder bestimmte Begriffe aus dem Stück, die H. P. Lovecraft in seinen Werken ebenfalls erwähnt und somit Eingang in seinen Cthulhu-Mythos gefunden haben: Hastur, Carcosa, Hali, die Hyaden, Aldebaran, um einige zu nennen.

Erster Eindruck

Als ich davon hörte, dass ein deutscher Autor dieses fiktive Theaterstück verschriftlicht hat, war ich voller hoher Erwartungen und daher auch zugleich skeptisch, ob das Resultat in der Lage sein würde, diese zu erfüllen.

Der König in Gelb – Ein Stück in zwei Akten von Manuel Filsinger, erschienen beim Romeon-Verlag.

Die Inhaltsbeschreibung auf der Webseite des Verlags klang vielversprechend: Die Prämisse ist, dass eines der raren Original-Exemplare des Theaterstücks in Südfrankreich in Carcassonne gefunden wurde und man nach langen Diskussionen die Erlaubnis erhielt, das Stück zu übersetzen und zu veröffentlichen – unter einer Bedingung: Der zweite Akt wurde gekürzt bzw. zensiert, sowie alle originalen Abbildungen entfernt.

Obgleich der „interessante“ Teil somit fehlte – aber so ist es wohl am besten für die menschliche Psyche – gefiel mir diese Idee. Also bestellte ich mir dieses Werk von Manuel Filsinger direkt beim Romeon-Verlag. Ist es seinen stolzen Preis von 19,95€ wert?

Worum es geht

Das Stück spielt in Yhtill, der Hauptstadt des Königreichs Hoseib, das sich in einem Traumland in der Nähe von Aldebaran. Die Hauptrolle spielt Cassilda, die kundige Chambers-Leser etwa von Cassildas Lied kennen dürften. Sie ist Prinzessin von Hoseib und das älteste Kind des Königs.

Eines Tages findet sie am See von Hali ein Amulett mit einem gelben Zeichen, welches sie mitnimmt. Von da an scheint es für das Königreich und insbesondere die Königsfamilie bergauf zu gehen. Doch ist das Amulett wirklich der Segen, nach dem es aussieht? Denn es vergeht auch kein Tag, an dem Cassilda nicht das unheilvolle Carcosa am gegenüber liegenden Ufer von Hali sieht.

Jedoch nimmt niemand ihre Sorgen ernst, auch nicht ihre zwei Brüder Uoht und Thale, die beide um Cassildas Hand anhalten, denn wer Cassilda zur Frau nimmt, wird der neue König von Hoseib. Auf einem Maskenball soll sich Cassilda endlich für einen Bräutigam entscheiden und so nehmen die Ereignisse ihren Lauf.

Zuviel sei dabei nicht verraten, als dass ein gewisser anderer König sich ebenfalls in dieser Diskussion einmischen möchte…

➟ Wer Spoiler nicht scheut, findet meine vollständige Inhaltsangabe zu diesem Werk im CthulhuWiki der Deutschen Lovecraft Gesellschaft.

Meinung

Insgesamt ist das Stück sehr gut geschrieben und mein Freund und ich hatten Spaß dabei, es uns mit verteilten Rollen gegenseitig laut vorzulesen. Alle Fragmente und bruchstückhaften Inhaltsangaben, alle Personen, Wesen und Gegenstände, die man in Chambers‘ Kurzgeschichten im Zusammenhang mit dem Theaterstück findet, wurden vom Autor elegant inkludiert.

Die einzigen Kritikpunkte, die ich habe, sind eher „Meckern auf hohem Niveau“:

Zum einen finde ich, dass der erste Akt zu gut geschrieben ist. Während der zweite Akt den Leser in den Wahnsinn treiben soll, wird vom ersten Akt gesagt, dass er trivial und langweilig sei. Tatsächlich fand ich den ersten Akt in Filsingers Version ziemlich spannend und mysteriös. Fairerweise muss man aber sagen, dass es wohl schwierig geworden wäre, diese Eigenschaft des ersten Aktes zu realisieren: Man wird wohl kaum den Plot vorantreiben können und der „normale“ Leser wäre vielleicht auch eher abgeschreckt gewesen, weiterzulesen, wenn die ersten vierzig Seiten todlangweilig gewesen wären.

Zum anderen hätte ich es gut gefunden, wenn im zweiten Akt häufiger angedeutet worden wäre, wo etwas zensiert wurde. Nur an einer Stelle, nämlich wo das Geheimnis der Hyaden offenbart wird, wird auf eine Kürzung hingewiesen. Ist das wirklich die einzige Zensur im zweiten Akt? Ich hätte es schön gefunden, wenn beispielsweise an anderen Stellen im zweiten Akt Textteile oder ganze Abschnitte geschwärzt worden wären.

Doch wie gesagt stellen diese Kritikpunkte ein Meckern auf hohem Niveau dar. Alles in allem ist Filsingers Version von Der König in Gelb sehr schön geworden und ich habe das Lesen und auch die vielfältigen, farbigen Abbildungen, die durch das ganze Buch hinweg verteilt sind, sehr genossen. Auch einige Rätsel scheinen sich darin zu befinden, die ich allerdings noch nicht enträtseln konnte.

Fazit

Manuel Filsingers Der König in Gelb – Ein Stück in zwei Akten stellt eine gut gemachte (zensierte) Version des berüchtigten Theaterstücks Der König in Gelb dar. Fans vom König in Gelb können beherzt zugreifen und werden über den Auftritt der bekannten Figuren, Orte und Objekte aus dem Mythos rund um den König in Gelb frohlocken.

Ob Leser, die noch nie von Chambers‘ Kurzgeschichten in irgendeiner Weise gehört haben, etwas mit Filsingers Werk anfangen können, ist eher fraglich. Vielleicht wäre es zu verwirrend, vielleicht liefert es aber andererseits auch einen guten ersten Eindruck über das Wesen des Königs in Gelbs und über die Illusionen und dem Wahnsinn, der seine Opfer befällt.

Eine nette Idee wäre es vielleicht, das Buch als Handout in einem Cthulhu-Rollenspiel zu verwenden: Vielleicht haben die Investigatoren es mit Hastur zu tun und auf der Suche nach Informationen können sie an eine zensierte und somit harmlose Version des Theaterstücks Der König in Gelb kommen?

Jedenfalls freue ich mich, das Buch gekauft zu haben und kann es insbesondere Sympathisanten dieses Teils des Mythos sehr weiterempfehlen.

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