17. August 2022

Laura Purcell: Die stillen Gefährten

Es ist nun etwa ein Jahr her, dass ich Die stillen Gefährten von Laura Purcell gelesen habe, und doch kann ich dieses Buch einfach nicht vergessen. Es ist ein großartiges Werk der unheimlichen Phantastik, das bei mir für große Gänsehautmomente sorgte. Nun, ein Jahr später, möchte ich diesem packenden Roman übernatürlichen Grauens endlich einen Blogartikel widmen – und das wurde auch mal Zeit!

Die stillen Gefährten von Laura Purcell, erschienen im Festa-Verlag.

Wer ist Laura Purcell?

Laura Purcell, Quelle: Festa-Verlag.

Laura Purcell ist eine englische Autorin, die laut ihrer Homepage ehemals Buchhändlerin war und nun in Colchester zusammen mit ihrem Mann und ihren Meerschweinchen lebt. Ihre ersten schriftstellerischen Erfolge errang sie mit zwei historischen Romanen über die Hannoveraner Monarchen.

Danach verfasste sie die ihren ersten und preisgekrönten Schauerroman Die stillen Gefährten. Allen Anschein nach hat sie sich darin gefunden, denn mittlerweile hat sie eine ganze Reihe an Schriftwerken verfasst, deren Titel einen gruseligen Charakter suggerieren: The Shape of Darkness, Bone China, The Haunting Season

Warum ich Die stillen Gefährten lesen wollte

Ursprünglich gelangte Die stillen Gefährten in meine Wunschliste aus drei mehr oder weniger profanen Gründen bzw. Erwartungshaltungen:

  1. Wegen des Untertitels „Eine viktorianische Geistergeschichte“. Das viktorianische Zeitalter harmoniert meiner Erfahrung nach einfach sehr gut mit unheimlichen oder phantastischen Plots. Und gute Geistergeschichten kann ich seit Michael McDowells Die Elementare auch sehr wertschätzen.
  2. Die Hauptperson der Geschichte ist eine Frau. Normalerweise ist das kein kritisches Kriterium für mich, aber die Handlung im viktorianischen Zeitalter aus Sicht einer Frau spielen zu lassen, fand ich sehr interessant, da Frauen zu dieser Zeit noch nicht wirklich emanzipiert waren.
  3. Das Buch besitzt einen Goldschnitt, was ich ziemlich fancy finde! Obwohl ich Platz in meinem Bücherregal sparen will und daher viele Bücher mittlerweile als eBooks erwerbe, habe ich mir daher die gedruckte Version von Die stillen Gefährten bestellt.

Letzten Endes wurde ich in allen drei Punkten nicht enttäuscht. Der Goldschnitt sieht super aus; die unabhängig und emanzipiert agierende Protagonistin ist sympathisch und bewundernswert und das übernatürliche Element in dieser Geschichte ist wirklich unheimlich. Ich meine WIRKLICH unheimlich. Manchmal waren meine Nerven derartig zum Zerreißen gespannt, dass ich über die Seiten flog, weil ich die Spannung nicht aushalten konnte. Manchmal war die Handlung so gruselig, dass ich Angst hatte weiterzulesen.

Wer hätte gedacht, dass Hausdekoration so gruselig sein kann?

Vor allem, weil es sich bei dem übernatürlichen Element um Holzaufsteller handelt, die Menschen in Lebensgröße darstellen. Diese ursprünglich aus den Niederlande stammenden Dekoartikel, die im englischen Sprachraum „silent companions“, also „stille Gefährten“ heißen, verfolgen die ahnungslosen Hausbewohner nicht nur mit ihren Blicken…

Ich fände einen solchen Aufsteller schon an zu skurril, um ihn in meiner Wohnung aufzustellen, aber nach dem Lesen Purcells Die stillen Gefährten würde ich mir erst recht keine solche Dekoration anschaffen.

Beeindruckend ist, wie die Autorin zwischen verschiedenen Zeitsträngen hin und her springt, ohne dass es für die Leserschaft verwirrend wirkt: die Gegenwart, in der die Protagonistin in einer Nervenheilanstalt gefangen gehalten und von einem Arzt befragt wird, ihre Vergangenheit mit den stillen Gefährten in der Villa ihres verstorbenen Mannes und eine Zeitlinie, die sich in einer weiter zurückliegenden Vergangenheit in der Villa abspielt. Gerade wenn ein Zeitstrang gerade spannend wird, endet das jeweilige Kapitel mit einem Cliffhanger und man wird wieder in eine andere Zeit versetzt.

Fazit

Alles in allem ist Die stillen Gefährten von Laura Purcell ein unvergessliches Leseerlebnis gewesen. Seine Atmosphäre und die unheimlichen und unerbittlichen stillen Gefährten haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt, was nicht viele Bücher bei mir schaffen.

Seit November 2021 kann man ein weiteres Werk von Purcell beim Festa-Verlag erwerben: Das Korsett, welches den Untertitel „Ein viktorianischer Thriller“ trägt, ebenfalls mit Goldschnitt. Wenn ich nicht schon so viel zu lesen hätte, hätte ich mir diesen Roman gewiss schon zugelegt… aber das muss ich wohl auf eine fernere Zukunft verschieben. 🙂

Titelbild (adaptiert) von Greg Montani auf Pixabay.

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