17. August 2022

H. P. Lovecrafts Gesamtwerk im Schuber

Wenige Tage vor Halloween 2020 erschien beim Festa-Verlag das Gesamtwerk von H. P. Lovecraft im Schuber. Für 69,99€ erhält man alle Geschichten, die der Meister des Grauens je verfasst hat. Das schließt sogar die Kooperations- und Ghostwriter-Geschichten ein, die er beispielsweise mit oder für Hazel Heald, Zealia Bishop, Adolphe de Castro oder dem Zauberkünstler Houdini geschrieben hat!

Diese 102 Geschichten sind auf sechs Büchern und insgesamt knapp 3000 Seiten verteilt. Der Schuber, die Buchumschläge und das durchgehende Buchrücken-Bild wurden von Timo Wuerz gestaltet, einem deutschen Comiczeichner, der schon so manche andere Cover von Büchern, aber auch CDs und Magazinen entworfen hat. Von ihm finden sich auch zwischen den Geschichten die einen oder anderen passenden Illustrationen, etwa von Monstern oder menschlichen Schädeln.

Auf der Vorderseite jedes Bandes entdeckt man von Timo Wuerz eine andere Version von Lovecrafts Porträt – mal von Tentakeln durchdrungen, mal in Stein gehauen, mal in einer Kutte zwischen Kultisten eingereiht. Alle Varianten können auf der Webseite des Festa-Verlags bewundert werden. Auf der Rückseite befindet sich eine Auflistung derjenigen Geschichten, die man in dem jeweiligen Band finden kann.

Wie alle Bücher des Festa-Verlags weisen auch diese Bücher an ihren Außenseiten die typische Struktur auf, die an raues Leder erinnert. In Kombination mit der gelungenen künstlerischen Arbeit von Timo Wuerz wirken der Schuber und seine sechs Bänder sehr edel, liebevoll gestaltet und qualitativ hochwertig. Auch beim Lesen lassen sich die Bücher sehr angenehm in der Hand halten.

In jedem Fall bin ich sehr froh, im Besitz dieses Gesamtwerks zu sein – endlich habe ich alle Geschichten von Lovecraft in meinem Bücherregal in deutscher Sprache und mit metrischen Maßeinheiten parat – letzteres war ja ein kleines Manko beim Werk von Leslie S. Klinger. Die 69,99€ für den Schuber lohnen sich in Anbetracht seiner edlen Ausstattung und der Vollständigkeit der Geschichten absolut.

Mit dem Schuber erhielt ich sogar das durchgehende Buchrücken-Bild zusätzlich als magnetisches Bild in einem kleineren Format. Das fand ich süß. Da an unserem Kühlschrank leider keine Magnete haften, hängt sie nun an unserer Abzugshaube über dem Herd. 🙂

Das Gesamtwerk oder „Das Werk“?

Vielleicht mag sich einer nun fragen, ob er rund 70€ lieber für dieses Gesamtwerk im Schuber oder für das von Leslie S. Klinger herausgegebene Buch H. P. Lovecraft – Das Werk ausgeben sollte, das beim Fischer Tor-Verlag erschienen ist und über das ich schon berichtet habe. Beides sind sehr bibliophile Werke und meiner Meinung nach gibt es Argumente für jedes von ihnen:

In Leslie S. Klingers Ausgabe sind zwar nicht alle Geschichten von Lovecraft vertreten, sondern nur 22 Stück, die den Arkham-Zyklus abdecken sollen. Das entspricht einem Fünftel aller Geschichten aus Lovecrafts Feder. Dafür finden sich zu diesen Geschichten zahlreiche Fußnoten mit interessantem Hintergrundwissen oder Querverweisen, die die Geschichten in einen Kontext setzen, sowie viele Abbildungen und Skizzen. Außerdem sind ausführliche Vor- und Nachworte enthalten, die über das Leben und Wirken von H. P. Lovecraft berichten, über die Einflüsse auf sein Schreiben, über seinen Einfluss auf die heutige Popkultur, usw.

Hingegen sind im Gesamtwerk vom Festa-Verlag ausschließlich die Geschichten von Lovecraft abgedruckt. Weiterführendes Hintergrundmaterial gibt der Schuber nicht her. Er punktet dafür mit seiner Vollständigkeit und seinem großartigem Design.

Somit muss man für sich selbst beantworten, was man für 70€ lieber erwerben will: Alle Geschichten von Lovecraft auf einen Schlag in einem hochwertigen Schuber? Oder eine Einführung in die Person Lovecraft und seiner Welt des kosmischen Horrors durch einige ausgewählte Geschichten?

Wer es sich leisten kann und will, dem kann ich beide Werke ans Herz legen.

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