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Die Suche nach Cyäegha: Und Dunkelheit ist mein Name

In „Und Dunkelheit ist mein Name“ von Eddy C. Bertin spielt der Große Alte Cyäegha die Hauptrolle. Ich habe die Kurzgeschichte gelesen, um mich auf eine Rollenspielrunde vorzubereiten — und war überrascht über die hohe Qualität dieses Werks.

Nicht alle Wesen und Entitäten, die heutzutage wie selbstverständlich zum Cthulhu-Mythos gezählt werden, sind Schöpfungen von H. P. Lovecraft. Diese Erkenntnis hatte ich erstmals mit Cthugha, den ich beim Rollenspielen kennenlernte, und dies gilt auch für Cyäegha.

Ich lernte Cyäegha ebenfalls wie Cthugha im Rollenspiel kennen, nämlich bei meiner ersten Spielrunde als Spielleiterin. „Der Monolith“ von Pegasus Press sollte das erste Szenario sein, an das ich mich als neue Spielleiterin wagen wollte. In diesem spielt Cyäegha eine Hauptrolle.

Um diese Entität besser zu verstehen, authentisch darzustellen und die Stimmung gut herüber zu bringen, die Cyäegha ausstrahlt, wollte ich die Geschichte lesen, in der Cyäegha vorkommt.

Die Suche nach Cyäegha im Antiquariat

Nach einigen Recherchen fand ich heraus, dass Cyäegha eine Schöpfung von Eddy C. Bertin ist und in seiner Kurzgeschichte „Duisternis is mijn naam“ (englisch: „Darkness, My Name Is“; deutsch: „Und Dunkelheit ist mein Name“) vorkommt.

Im englischen Sprachraum erschien diese Kurzgeschichte in einer Anthologie namens The Disciples of Cthulhu, die von Edward P. Berglund herausgegeben worden ist. Diese wurde vom Verlag Bastei-Lübbe ins Deutsche übertragen und in zwei kleine Büchlein aufgesplittet: Cthulhu’s Schüler und Cthulhu’s Kinder.

Eddy C. Bertins „Und Dunkelheit ist mein Name“ ist im zweiten Band Cthulhu’s Kinder enthalten, zusammen mit drei anderen Kurzgeschichten von Lin Carter, Fritz Leiber und Joseph Payne Brennan.

Sowohl das Original als auch die deutschen Ausgaben werden schon längst nicht mehr nachgedruckt. Somit blieb mir ein Zugang zu Cyäegha nur über das Antiquariat. Nach einigem Suchen im Internet ist der über 40 Jahre alte Band von Bastei-Lübbe schließlich in meinen Besitz gelangt.

Cthulhu’s Kinder, herausgegeben von Edward P. Berglund und erschienen in der Horror-Bibliothek-Reihe von Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach, Deutschland, 1980.

Die Suche nach Cyäegha in Freihausen

Achtung, dieser Abschnitt stellt eine Inhaltsangabe der Kurzgeschichte „Und Dunkelheit ist mein Name“ von Eddy C. Bertin dar. Sie ist eine großartige Kurzgeschichte und ich empfehle, sie auf jeden Fall selbst zu lesen. Diese Inhaltsangabe ist nicht fähig, den bildgewaltigen, unheimlichen und verstörenden Effekt wiederzugeben, den der Autor mit seiner Kurzgeschichte erschafft.

Anmerkung: Diese Inhaltsangabe habe ich so ähnlich in einer verkürzten Form im dLG-Wiki veröffentlicht.

Prolog: Liyuhh

Die Ich-Erzählerin trifft sich in einem Hamburger Restaurant mit einem fremden Mann, der sie in einem Kaufhaus angesprochen hat. Dieser zeigt ihr Bilder von fünf Statuen namens Vaeyen, welche sie wiedererkennt, sowie das Buch Liyuhh, eine deutsche Übersetzung des R‘lyeh-Textes. Nachdem sich auf diese Weise der Fremde vergewissert hat, dass die Ich-Erzählerin die ist, für die er sie hält, beginnt er mit der Erzählung der Geschichte von Cyäegha und Herbert Ramon.

I. Cyäegha

Cyäegha wird als „jenseits von Gut und Böse, eine Naturgewalt, oder ein natürlicher Zufall wie ein Waldbrand oder ein Tornado oder ein Sturm, oder einfach der Tod, auf den keine künstlichen Gesetze zutreffen“, beschrieben. Er soll sich an einem Ort befinden, „[w]o die Dunkelheit schwärzer als schwarz ist und eine eigene Färbung hat, wo das Nichts doch etwas ist und die Dunkelheit noch heller als Licht“. Dort ist er gefangen, träumt und empfindet immerzu puren Hass.

II. Freihausen

Herbert Ramon, ein Amerikaner, der schon einige Jahre in Deutschland lebt, begibt sich mit dem Zug in die fränkische Jura nach Freihausen, welches nicht gerade für seine Freundlichkeit gegenüber Touristen bekannt ist und in dem die Bewohner lieber für sich leben. Er kommt in einem Hotel unter, das von einem gebürtigen Franzosen namens Julien-Charles Pandira, kurz Julien, betrieben wird.

III. Von denen Verdammten

Er ist bestens bewandert im Cthulhu-Mythos und hat diverse Mythos-Werke gelesen und studiert. Sein besonderes Interesse gilt dem Dunkelhügel bei Freihausen. Laut dem Buch Von denen Verdammten von Kazaj Heinz Vogel und dem Liyuhh, der deutschen Ausgabe des R‘lyeh-Textes, soll sich auf dem Dunkelhügel ein Tempel befinden, der für einen Gott erbaut worden war, der in den Büchern lediglich das „Ding, das in der Dunkelheit wartet“ genannt wird. Herbert Ramon möchte die Überreste dieses Tempels finden und diese nach Artefakten und Manuskripten durchsuchen mit dem primären Ziel, an Macht und Wissen zu gelangen.

IV. Dunkelhügel

Er beschließt, in ein Café zu gehen, um die Bewohner von Freihausen nach den Dunkelhügel zu fragen. Dort gibt er sich als Schriftsteller aus, der auf Urlaub ist, und versucht die Konversationen auf den Dunkelhügel zu lenken, was ihm jedoch nur feindseliges Verhalten beschert. In den darauf folgenden Tagen wandert er zum Dunkelhügel und untersucht diesen sorgfältig, kann aber keinerlei Spuren eines Tempels oder dessen Überreste finden. Er beginnt, die Ausführungen in seinen Büchern anzuzweifeln.

Als er in sein Hotelzimmer zurückkehrt, bemerkt er, dass dieses durchsucht worden ist. Nichts fehlt; man hat es nicht gewagt, seinen verschlossenen Reisekoffer aufzubrechen. Der Hotelier war jedoch mehrmals außer Haus und hat nichts mitbekommen. Herbert Ramon weist ihn an, auf zukünftigen Ausgängen den Zweitschlüssel zu seinem Zimmer mitzunehmen.

V. Vaeyen

Eine knappe Woche später stolpert Herbert Ramon am Dunkelhügel über eine kleine Statue, die im Liyuhh abgebildet ist. Er nimmt sie mit zum Hotel und zeigt seinen Fund Julien. Dieser gerät beim Anblick der Statue in Panik und fordert Herbert auf, sie wegzustecken und zum Dunkelhügel zurückzubringen, ehe einer der Bewohner von Freihausen sie erblickt. Auf Herberts hartnäckigen Nachfragen erklärt Julien, dass es sich um eine der fünf Vaeyen handelt, Darstellungen alter Dämonen, die den Dunkelhügel bewachen. Mehr möchte Julien nicht preisgeben. Stattdessen rät er Herbert, sich an den örtlichen Pfarrer zu wenden.

In seinem Zimmer untersucht Herbert weiter die Statue und studiert seine Bücher. In Von denen Verdammten findet er einen Textabschnitt, in dem von fünf Feiaden die Rede ist, die die Wächter des Tempels und der Gottheit sind: „das schwarze Licht, das weiße Feuer, das schwärzer ist als die Nacht, das weiße Dunkel, das röter ist als das Feuer, das geflügelte Weib und der grüne Mond“. Herbert vermutet, dass es sich bei den Feiaden und den Vaeyen um dasselbe handelt.

VI. Der Tempel auf dem Dunkelhügel

Am nächsten Tag bringt Herbert Ramon die gefundene Vaeye zum Pfarrer von Freihausen. Er möchte von ihm wissen, was es mit der Vaeye auf sich habe und wo der Tempel auf dem Dunkelhügel sei. Sich selbst stellt er vor als ein Schriftsteller von wissenschaftlichen Sachbüchern, der zur Zeit an einer Studie über Howards Phillips Lovecraft arbeitet. Dabei möchte er herausfinden, wie groß der Anteil an Fiktion in Lovecrafts Werken ist und wie viel die Realität darstellt. Nach Deutschland sei er gekommen, weil er Verbindungen zwischen amerikanischen Kulten und jenen in Deutschland ausfindig gemacht habe, und er herausfinden möchte, woher der zugrunde liegende Glaube ursprünglich entstamme.

Der Pfarrer erzählt ihm von Cyäegha, die „Wartende Dunkelheit“, die in ihrem Tempel unter der Erde im Dunkelhügel hause und einen bösartigen Einfluss auf die Gegend ausübe. Die Vaeyen würden Cyäegha gleichermaßen dienen und einschränken, indem sie eine „psychologische Barriere“ um das Tal ausüben, die eine Änderung der Mentalität der Dorfbewohner verhindert. Weiterhin berichtet er davon, dass – obgleich die Dorfbewohner sonst den Dunkelhügel fürchten und meiden – sie sich jede Vollmondnacht auf selbigem versammeln. Jedoch könnten sie sich am nächsten Tag niemals daran erinnern, ebenso der Pfarrer nicht, der ihnen eines Nachts auf den Hügel gefolgt ist.

Der Pfarrer schlägt Herbert Ramon eine Kooperation vor: Herbert soll herausfinden, was die Dorfbewohner auf dem Dunkelhügel tun, und der Pfarrer würde dafür noch mehr Wissen über Cyäegha und den Dunkelhügel mit ihm teilen.

Auf dem Rückweg bemerkt Herbert, dass sich die feindseligen Blicke der Dorfbewohner intensiviert haben.

VII. Nagaäe

Nachts träumt er von einer Pyramide, auf dessen abgeflachten Spitze eine weiße Flamme brennt, die dunkler als die Nacht ist, und über der ein grüner Mond scheint. Ein monströses Wesen, von dem er weiß, dass es sich um ein Nagaäe handelt, kriecht auf ihn zu. Da teilt sich der Mond und Herbert realisiert, dass es sich um das riesige grüne Auge eines übergroßen Wesens handelt:

Der Mond teilte sich. Da begriff er, dass der Himmel nicht der Himmel und das leuchtende Ding nicht der Mond war, sondern das Auge eines riesigen dunklen Schattens, der sich als schwarzer Fleck zwischen der Erde und dem wirklichen Himmel ausbreitete. Das Auge blickte mit schrecklicher Verachtung auf ihn herab, und für einen kurzen Moment glaubte er die ungeheuren Ausmaße des Wesens zu erkennen, das beobachtend über ihm hing.

Eddy C. Bertin: „Und Dunkelheit ist mein Name“, erschienen in Cthulhu’s Kinder, Hrsg. Edward P. Berglund. Horror-Bibliothek, Bastei-Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach, Deutschland, 1980. S.119.

Die Wesenheit greift mit einer Klaue nach Herbert, woraufhin er schreiend aufwacht und sich auf dem Dunkelhügel wiederfindet. Als er aufschaut und einen großen grünen Mond über sich sieht, rennt er panisch den Hügel hinab zum Hotel.

Dort findet er an der Tür einen Zettel mit seltsamen Zeichen darauf, die er aus Von denen Verdammten kennt, und Julien ist enthauptet und kopfüber an der Wand bei der Rezeption festgenagelt worden. Eilig packt Herbert das Wichtigste zusammen und geht zurück zum Dunkelhügel, um dort zu übernachten und sich bis zur nächsten Nacht zu verstecken, welche eine Vollmondnacht sein wird.

VIII. Das Ding, das in der Dunkelheit wartet

Wie erwartet besteigen in der nächsten Nacht die Dorfbewohner den Dunkelhügel. Währenddessen hat Herbert die ganze Zeit über das Gefühl eines déjà vu und als ob all das, was er täte, vorherbestimmt und schon einmal geschehen sei. Er beobachtet die Dorfbewohner mit einem Fernrohr aus seinem Versteck, wie sie ein Ritual vorbereiten und durchführen, um Cyäegha zu besänftigen und ihn zu bitten, weiterhin in seinem Gefängnis auszuharren.

Herbert selbst bereitet seinerseits ein Ritual vor, als der Pfarrer ihn erwischt und mit einem Gewehr bedroht, weil er ihn beschuldigt, Julien ermordet zu haben. Als der Pfarrer jedoch sieht, wie die Dorfbewohner den Kopf von Julien hervorholen und ihn in ihr blutiges Ritual einbinden, rennt er fassungslos mit dem Gewehr auf die Dorfbewohner zu. In diesem Augenblick zerstört Herbert die Vaeye.

IX. Nicht-Zeit

Die Zeit scheint für Herbert wie stehen geblieben, als der Tempel von Cyäegha erscheint. Sein Körper gehorcht ihm nicht mehr, als er diesen betritt und eine Beschwörungsformel aus einem Buch rezitiert. Daraufhin wird Cyäegha beschworen. Die Dorfbewohner fliehen, während Cyäegha und eine Horde von Nagaäe, die aus dem Inneren des Dunkelhügels kommen, über sie herfallen.

Herbert Ramon realisiert, dass er ein Bote von Cyäegha gewesen ist und als ein solcher er seit seiner Geburt dazu bestimmt gewesen ist, diese Taten zu tun. Er wird Eins mit Cyäegha und kann mit allen Sinnen von Cyäegha das Tal beobachten und die getöteten Menschen sehen, fühlen, hören und schmecken. Immerzu bettelt Herbert darum, tot zu sein oder dem Wahnsinn zu verfallen, damit er all das nicht mehr miterleben muss.

X. All-Zeit

Cyäegha/Herbert Ramon dehnt sich aus und erfasst die Existenz weiterer Großer Alter wie z.B. Cthugha und Azathoth. Er bittet sie um Hilfe und ihn endgültig zu befreien, nun da das Ältere Zeichen durchbrochen ist, realisiert jedoch, dass die Großen Alten selbst gefangen und isoliert sind. Daraufhin implodiert Cyäegha/Herbert Ramon. Der Teil, der Cyäegha ist, schrumpft, während der Teil, der Herbert Ramon ist, wächst. Herbert Ramon reist in die Zeit zurück und findet sich am Bahnhof am Dunkelhügel am Tag seiner Anreise wieder. Das, was gewesen ist, ist zum „Könnte-Gewesen-Sein“ geworden.

Epilog: Der Wächter

Der Fremde erzählt der Ich-Erzählerin vom heutigen Zustand von Freihausen, der sich von dem der zuvorigen Erzählung in einigen Details unterscheidet – so ist Julien auch der Besitzer der Kneipe und lebt schon so lange in Freihausen, dass man ihn Johann nennt – und von der seltsamen Begebenheit, die sich dort zugetragen hat:

Als Herbert Ramon am Bahnhof angekommen ist und gerade seine Reisekoffer zu heben gewollt hat, hat ein seltsames Gefühl alle im Tal ergriffen, „als ob eine Sekunde nicht in der Zeit verronnen wäre“. Manche Dorfbewohner sind seitdem krank oder wahnsinnig. Herbert Ramon wiederum ist erstarrt und seine Augen sind zu „bodenlose[n] dunkle[n] Gruben“ geworden. Er ist zum Pfarrer gebracht worden, ist wenige Tage später gestorben und ist schließlich auf dem Dunkelhügel beerdigt worden. Der Pfarrer hat sich zwei Wochen später erhängt.

Der Fremde erklärt der Ich-Erzählerin, dass sie beide wie Herbert Ramon eine „Saat von Cyäegha“ seien, doch im Gegensatz zu Herbert seien sie besser vorbereitet. Er ist zuversichtlich, dass er und die Ich-Erzählerin nicht versagen werden und er beendet die Geschichte mit der Aussage: „Ja, ich weiß, wo der Dunkelhügel ist.“

Lovecraft hätte es nicht besser schreiben können

Als ich „Und Dunkelheit ist mein Name“ von Eddy C. Bertin das erste Mal las, war ich sprachlos. Mit einem solch hohen Anspruch und gutem Schreibstil hatte ich nicht gerechnet. Auch das Prinzip des kosmischen Grauens, wie H. P. Lovecraft ihn ursprünglich ersonnen hatte, ist hier wiederzufinden.

Ja, meiner Meinung nach erreicht Bertins Werk viel näher den Geist von Lovecrafts Geschichten, als es z.B. die eher enttäuschenden Werke von August Derleth oder die Kurzgeschichten von Ramsey Campbell tun (zumindest die wenigen, die mir bisher unter die Augen gekommen sind).

Insbesondere die Beschreibungen, in denen Herbert Ramon mit Cyäegha Eins wird und er alles sieht und spürt, was Cyäegha sieht und spürt, sind verstörend und meisterhaft gelungen. Die Darstellung einer, nennen wir es „nichtlineare Zeit“ — was auch immer dieser Begriff bedeuten mag, er scheint mir hier gut zu passen –, ist Eddy C. Bertin schriftstellerisch wunderschön gelungen.

Es ist daher eine Schande, dass „Und Dunkelheit ist mein Name“ seit der Bastei-Lübbe-Ausgabe von 1980 nicht mehr in irgendeiner deutschen Anthologie nachgedruckt worden ist. Wiederum ist es erfreulich, dass die Autorin Sabrina Hubmann Bertins Werk aus der Versenkung hervorgeholt und im Cthulhu-Rollenspiel-Szenario „Der Monolith“ verarbeitet hat.

Eddy C. Bertin: Ein unterschätzter Autor?

Doch wer ist eigentlich Eddy C. Bertin? Seinem Wikipedia-Artikel lässt sich entnehmen, dass er ein belgischer Autor ist, der in Hamburg geboren worden ist. Vor drei Jahren, im Mai 2018, ist er verstorben. Er schrieb eine große Anzahl von Horror- und Science-Fiction-Kurzgeschichten, von denen leider nur ein Bruchteil ins Deutsche übersetzt worden sind.

Eddy C. Bertin. Quelle: Blog von peter motte.

„Und Dunkelheit ist mein Name“ ist dabei nicht die einzige Horror-Geschichte im Stil von H. P. Lovecraft. Eine im Jahr 2013 erschienene Kurzgeschichten-Sammlung namens The Whispering Horror enthält weitere Kurzgeschichten von Eddy C. Bertin, die dem Cthulhu-Mythos zugeordnet werden können. Leider wurde diese Sammlung nicht ins Deutsche übersetzt, was mich aber nicht gehindert hat, sofort die englische Ausgabe zu bestellen, nachdem ich davon erfuhr. Sie liegt noch ungelesen in meinem Buchregal und ich hoffe, dass ich hier ein ähnliches Niveau wie bei „Und Dunkelheit ist mein Name“ vorfinden kann. Ich werde natürlich hier von meinen Lese-Erfahrungen berichten.

Die Nicht-Zeit und die All-Zeit

Meine Lieblingsstellen in „Und Dunkelheit ist mein Name“ sind die Abschnitte „Nicht-Zeit“ und „All-Zeit“, welche die verstörendsten Teile der Kurzgeschichte darstellen.

In der Nicht-Zeit scheint die Zeit still zu stehen, als Herbert Ramon Cyäegha erweckt, der zusammen mit den Nagaäe über Freihausen herfällt. In der All-Zeit wird Herbert Eins mit Cyäegha. Ab da an erlebt der Leser die unnatürliche Sichtweise von Cyäegha, der sich im Weltraum ausbreitet und versucht, sich endgültig aus seinem Gefängnis zu befreien.

Die Rede ist davon, wie Menschen dem Wahnsinn verfallen und sich gegenseitig umbringen. Ist das eine Vision einer Zukunft, in der Cyäegha und die Großen Alten auf der Erde wandeln und die Menschheit verrückt wird im Angesicht des kosmischen Grauens?

Dann jedoch ist die Rede von Edgar Allan Poe und H. P. Lovecraft, zwei Individuen, die eindeutig in der Vergangenheit liegen, auch von Herbert Ramons eigentlicher Zeitlinie. Schließlich befindet sich Herbert Ramon wieder in seinem Körper am Bahnhof in der fränkischen Jura zu dem Zeitpunkt, als er gerade angereist war zu Beginn der Kurzgeschichte.

Die Zeit wurde umgekehrt, aber nicht ganz wie in einer „klassischen“ Zeitreise. Zum Einen besitzt Herbert Ramon das Wissen darum, was am Dunkelhügel geschehen ist. Kleinigkeiten haben sich geändert, so ist etwa der Hotelier Julien nun auch der Inhaber der Kneipe in Freihausen, wird von den Einheimischen Johann genannt und spricht kaum noch Französisch. Seine Narbe am Hals ist noch vorhanden, doch kann er sich nicht erinnern, woher sie entstammt. Diverse Dorfbewohner, denen am Dunkelhügel schlimme Dinge widerfahren sind, sind immer noch wahnsinnig, denn:

Manche Erinnerungen können nicht sterben, selbst wenn man sie umkehrt.

Eddy C. Bertin: „Und Dunkelheit ist mein Name“, erschienen in Cthulhu’s Kinder, Hrsg. Edward P. Berglund. Horror-Bibliothek, Bastei-Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach, Deutschland, 1980. S.144.

Bereicherungen und Ideen für das Rollenspiel

Die vorhergehende Lektüre von „Und Dunkelheit ist mein Name“ war auf jeden Fall hilfreich und bereichernd für mich beim Spielleiten von „Der Monolith“. Insbesondere die Beschreibung von Cyäeghas Beschwörung und die Charakterisierung von Cyäegha als immerzu hassende Entität habe ich von Eddy C. Bertin übernommen, um die Ereignisse im Spiel stimmungsvoll zu beschreiben.

Folglich kann ich jeder Spielleiterin und jedem Spielleiter, die „Der Monolith“ leiten und Cyäegha authentisch darstellen wollen, die Lektüre von Eddy C. Bertins Kurzgeschichte sehr empfehlen — nicht nur von einer Inhaltsangabe, denn diese bringt die Stimmung und die Atmosphäre nicht vollständig herüber.

Abseits von „Der Monolith“ bietet „Und Dunkelheit ist mein Name“ noch mehr Inspiration für (Folge-)Szenarien:

  • Vielleicht hat ein Spieler während des Rituals am Moor von Hubbütteln auch von Cyäegha bezirzen und beeinflussen lassen, und möchte nun selbst Cyäegha aufsuchen?
  • Vielleicht werden sie — auch wenn das nicht ganz in der Zeitlinie von Kamborn passt — von Herbert Ramon aufgesucht und um Unterstützung gebeten bezüglich seiner Suche nach Cyäegha?
  • Eine für die Suche nach Cyäegha hilfreiche Ausgabe von Von denen Verdammten oder deren Kopie könnte womöglich in einer verschlossenen Abteilung der Universitätsbibliothek von Kamborn liegen.
  • Freihausen erinnert ein wenig an ein deutsches Dunwich. Vielleicht stranden die Spieler dort unfreiwillig und zufälligerweise kurz vor einer Vollmondnacht, wenn die Dorfbewohner ein neues Blutopfer für die Besänftigung von Cyäegha benötigen.

Fazit

„Und Dunkelheit ist mein Name“ von Eddy C. Bertin ist eine großartige Kurzgeschichte im Stil von H. P. Lovecraft. Lest sie auf jeden Fall! Eine Ausgabe von Cthulhu’s Kinder kann man mit etwas Glück bei Online-Auktionshäusern oder Gebrauchtbücher-Händlern für wenig Geld ergattern. Die englische Original-Ausgabe The Disciples of Cthulhu ist wiederum etwas teurer, aber auch auffindbar.

Übrigens: Freihausen in der fränkischen Jura existiert wirklich. Vielleicht lohnt sich in Post-Pandemie-Zeiten mal ein Ausflug dorthin? Womöglich kann man ja Glück haben und über eine Vaeye stolpern.

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