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Alan Moores & Jacen Burrows unheimliches Providence-Finale

Das zweite Deluxe-Band von Alan Moores und Jacen Burrows Providence-Comic führt zu einem großartigen und unheimlich akkuraten Finale, in dem Fiktion und Realität sich gefährlich zu vermischen scheinen. Und auch H. P. Lovecraft gibt sich die Ehre.

Nach der ersten Providence-Deluxe-Ausgabe von Alan Moore und Jacen Burrows – ich berichtete bereits überschwänglich hier – war ich absolut gespannt auf die zweite Ausgabe, die alle Rätsel und Handlungsstränge auflösen sollte. Als ich sie in die Hände bekam, verschlang ich sie geradezu in wenigen Tagen… und war begeistert!

Alan Moore & Jacen Burrows: Providence, Deluxe-Ausgabe 2. Erschienen bei Panini Comics, Stuttgart, Deutschland, 2021.

Was ist drin?

Das zweite Providence-Deluxe-Band ist genauso dick wie das erste und enthält die Providence-Comics 5-12. Diese setzen nicht nur die Handlung aus dem Vorgängerband rund um Robert Black und seine Recherchen in Neuengland fort, sondern greifen letzten Endes auch die Handlungsstränge von The Courtyard und Neonomicon wieder auf.

Jedes Kapitel besteht aus einem Teil Comic, in dem wir Robert Black zu einer neuen Station in Providence begleiten, sowie einem Ausschnitt aus seinem Kollektaneenbuch, in dem er über seine Recherchen berichtet, seine Gedanken ordnet oder neue Ideen für sein Buchprojekt durchgeht. Wegen der handschriftlichen Schriftart ist dieses anfangs noch etwas mühsam zu lesen, aber man gewöhnt sich dran.

Anfangs sieht es so aus, als ob Robert Black weiterhin Schauplätze und Figuren besucht, die uns aus H. P. Lovecrafts Geschichten ziemlich bekannt vorkommen dürften, auch wenn ihre Namen nicht genau denen entsprechen, die der Meister des Grauens gewählt hat. So wird beispielsweise aus Lovecrafts Herbert West hier ein Hector North.

Tatsächlich steuert Robert Black jedoch in eine Abwärtsspirale, die von den Mächten des kosmischen Grauens von Anfang an so geplant gewesen war. Der Point of No Return ist schließlich dann erreicht, als Robert Black bei einem Vortrag von Lord Dunsany einem ganz bestimmten Amateurschriftsteller begegnet… und mit einem Schlag wird einem dann klar, dass es sich bei den Begegnungen, die Robert Black in Providence hatte, nicht um Referenzen handelt, sondern im Gegenteil um die Vorbilder jener Kurzgeschichten, die wir kennen.

Auf diese Weise vermischen sich Fiktion und Realität immer mehr, je weiter man liest. Und am Ende stellt sich die Frage: Sind wir alle Opfer des Lovecraft’schen Virus, ganz so, wie es von Anfang an vom kosmischen Grauen schon immer geplant gewesen ist?

Extremer Horror würzt kosmisches Grauen

Wie auch der Vorgängerband ist das zweite Providence-Deluxe-Band nichts für zarte oder prüde Gemüter. Nackte Haut, Gewalt, Vergewaltigungen, Selbstmord sind nur einige der Dinge, die man zwischen den Seiten findet. Natürlich gilt auch hier eine Leseempfehlung ab 18 Jahren.

Die Handlung bleibt „trotzdem“ anspruchsvoll und spannend – ich fühle mich, als müsste ich das extra betonen, da manche cthuloide Leser beim Einsatz von solchen extremen Horrorelemente automatisch den Anspruch eines Werks verloren gehen sehen. Das mag für manches Extreme-Horror-Werk wirklich gelten, doch hier nicht.

Hier wirkt der extreme Horror absolut passend. Er würzt den dargestellten kosmischen Grauen und macht ihn umso schrecklicher. Eine Szene, die absolut verstörend ist und gleichzeitig durchaus authentisch ist, ist diejenige, in der

Fazit: Wieder eine Lese-Empfehlung

Wie auch dem Vorgängerband kann ich dem zweiten Deluxe-Band von Providence eine absolute Lese-Empfehlung aussprechen. Für jemanden, der das erste Band ohnehin schon gelesen hat, gibt es keinen Grund, die Finger vom zweiten Band zu lassen, im Gegenteil: Hier münden alle Handlungsstränge aus dem Vorgängerband in ein grandioses und Gänsehaut verursachendes Finale, das man nicht verpassen sollte.

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